Leseprobe: Kurzgeschichten zur Weihnachtszeit

Weihnachtsfreuden

 

An diesem 20. Dezember stand das Weihnachtsfest vor der Tür. Schnee bedeckte die Häuser und die Straßen der Stadt. Der sechsjährige Marvin lief mit seinen Eltern durch ein Einkaufszentrum. Ein hoher, prachtvoll geschmückter Tannenbaum mit großen, bunten Weihnachtsbaumkugeln und goldenem Lametta stand vor einem Kaufhaus. Marvin presste seine Nase an die Schaufensterscheibe und sah ein schönes ferngesteuertes Spielzeugauto.

Das hellrote Spielzeug stand ganz vorne im Schaufenster, so dass man es gut sah. „We Wish You a Merry Christmas“ schallte es aus dem Geschäft heraus. „Papa, das Auto möchte ich haben!“, sagte der Junge aufgeregt. Der Mann schaute auf das Preisschild, das daneben stand. Das Spielzeug kostete neunundsiebzig Euro.

Der Vater schaute Marvins Mutter ernst an. Dann sagt er zu dem Kind: „Marvin, ich kann es dir nicht versprechen. Das Auto ist sehr teuer. Wir haben nicht viel Geld.“ Der kleine Junge blickte enttäuscht zu Boden.

Nur selten bekam der Sechsjährige Spielzeug geschenkt. Die Familie freute sich, wenn Vaters Gehalt für den gesamten Monat reichte.

Die Familie lief durch die schneebedeckte Einkaufsstraße. Überall spielte Weihnachtsmusik, Lichterketten erleuchteten die Straßen. Die Geschäfte dekorierten ihre Auslagen schön weihnachtlich. Es roch nach frischen Mandeln.

Der kleine Junge und seine Eltern kamen an einem Stand mit vielen Weihnachtsleckereien vorbei. In der Auslage sah die Familie gut duftende Zimtstangen, leckere Lebkuchenhäuser, Tüten mit gebrannten Mandeln und andere Weihnachtssüßigkeiten. Die Mutter sagte: „Marvin, möchtest du gerne Mandeln haben? Die isst du doch so gerne.“ – „Ja, gerne, Mama“, antwortete der Junge und strahlte über das ganze Gesicht.

Die Mutter kaufte die Mandeln. Marvin nahm rasch die Tüte, die ihm seine Mutter entgegenhielt. Der Junge freute sich sehr. „Was sagt man, wenn man etwas geschenkt bekommt?“, frage der Vater und lächelte. „Danke, Mama“, entgegnete der Junge etwas schüchtern.

„Lasst uns nach Hause gehen“, schlug die Mutter vor. Die Familie trat den Heimweg an. Unterwegs aß der Sechsjährige von den leckeren Mandeln, die herrlich frisch dufteten.

Am nächsten Tag klingelte das Telefon. Der Vater hob den Hörer ab und meldete sich mit seinem Namen: „Hallo, Markus. Hier ist Günter“, sagte die Stimme. Günter galt als Vaters bester Freund. Sie kannten sich schon viele Jahre und sprachen miteinander über alles. „Wie geht es euch?“, fragte er.

Der Vater stieß einen tiefen Seufzer aus und antwortete: „Uns geht es eigentlich ganz gut, wenn bloß nicht Weihnachten vor der Tür stünde. Nicht einmal für Marvin konnte ich ein Geschenk kaufen.“ – „Oh, das tut mir leid. Ich weiß, du verdienst nicht viel mit deinem Job.“ – „Ja, das ist das Problem“, sagte der Vater traurig und fuhr fort: „Gestern gingen wir in die Stadt. Marvin möchte so gerne ein ferngesteuertes Spielzeugauto haben. Ich kann es ihm nicht kaufen. Ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll.“ – „Vielleicht findest du irgendwann eine besser bezahlte Stelle“, antwortete Günter. Sie wechselten noch ein paar Worte und beendeten das Telefonat.

Marvin saß in seinem Zimmer und malte. Die Mutter dekorierte das Kinderzimmer vor einer Woche schön weihnachtlich. Den Tisch zierte eine große Vase mit frischen Tannenzweigen, an denen kleine Engel, Spielautos, Geschenke und Rentiere hingen. Daneben standen ein Schokoladenweihnachtsmann und eine Packung Dominosteine. An den Fensterscheiben sprühten der Vater und sein Sohn mit Schneespray einen Nikolaus, den Stern von Bethlehem und viele kleine Sterne auf.

Die Mutter rief aus der Küche. „Marvin, komm, lass uns zusammen Plätzchen backen.“ Der kleine Junge legte seine Malutensilien beiseite und ging in die Küche. Seine Mutter legte bereits die Backzutaten zurecht. Es standen ein großes Backblech, eine Schüssel, ein elektrischer Handmixer, Mehl, Butter, Zucker, Vanillezucker, Puderzucker, Backpulver, Eier und Marmelade auf dem Tisch. „Wir backen heute Marmeladen-Plätzchen“, sagte die Mutter freudig zu ihrem Sohn.

„Das ist toll! Die esse ich so gerne“, jubelte das Kind. Der Junge half der Mutter beim Zubereiten der leckeren Plätzchen. Marvin stach mit einer runden Ausstechform den Plätzchenteig aus. Der Junge gab sich viel Mühe dabei. Er freute sich sehr auf das Weihnachtsgebäck. Die Mutter schob das Backblech in den Backofen. Nach fünfzehn Minuten holte sie mit den Backhandschuhen vorsichtig das Backblech mit den warmen Plätzchen aus dem Backofen. Sie stellte das leckere Gebäck zum Abkühlen auf den Küchentisch.

Die Plätzchen erfüllten die kleine Wohnung mit einem herrlichen weihnachtlichen Duft. Der Vater kam von der Arbeit, begrüßte seine Familie und legte eine Weihnachtsmusik-CD ein. Das Lied „Oh, du fröhliche“, klang leise aus dem CD-Player.

Marvin ging zurück in die Küche und bestrich die Mitte der Plätzchen mit Marmelade. Die Mutter bestäubte anschließend die fertigen Plätzchen mit Puderzucker. „Gib die Plätzchen bitte in eine Weihnachtskeksdose…

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