Leseprobe: Ein Sommer in Torrevieja – Liebesroman

Kapitel I

 

Die Haustür fiel ins Schloss. Julia und ihr Vater gingen zum Auto, stiegen ein und fuhren los. Nach zehn Minuten erreichten sie die Autobahn in Richtung Erdinger Moos. Es war etwa zehn Uhr morgens. Die Fahrt ging zum Flughafen München. Heute war ein großer Tag für Julia. Sie war müde, da sie in der Nacht schlecht geschlafen hatte. Die junge Frau war wegen der Geschäftsreise nervös. An diesem sonnigen Apriltag erstrahlte der Himmel wolkenfrei. Ein angenehmer Duft von blühenden Blumen lag in der sommerlichen Luft. Einige Raben flogen krächzend in der Höhe.

 

Julias schulterlange, blonde Haare fielen geschmeidig um ihre Schultern. Die 28–jährige gebürtige Münchnerin mit den warmen, braunen Augen lebte in einer hübschen Drei–Zimmer–Wohnung am Viktualienmarkt. Julia trug eine weiße Bluse, einen hellblauen Rock und dunkelblaue Pumps. Ihr Vater war ein gutaussehender weißhaariger Mann mit einer Halbglatze. Der Mittsechziger war noch sehr vital. Seine fast tägliche Arbeit in seinem Schrebergarten hielt ihn fit. Er liebte es, Auto zu fahren. An den Wochenenden fuhr der ältere Mann ins Grüne. An diesem Tag trug er ein rotes Marken–Polohemd, eine graue Baumwollhose und schwarze Schuhe.

 

Julia ließ ihre Heimatstadt München hinter sich. Sie zog für ein halbes Jahr nach Torrevieja in der spanischen Provinz Alicante. Die junge Frau arbeitete für einen Verlag als Autorin. Der Verlag hatte ihr einen Reiseführer über Torrevieja in Auftrag gegeben. Für den Reiseführer würde sie in der schönen Stadt Torrevieja Text– und Bildmaterial sammeln. Julia hatte vom Verlag ein Jahr Zeit dazu bekommen, den Reiseführer zu schreiben. Heute flog sie nach Südspanien!

 

Torrevieja hatte lange Sandstrände, romantische Lagunen, einen Hafen und ein buntes, kulturelles Leben. Zahlreiche Bars, Cafés und Restaurants säumten die Straßen. Jahr für Jahr besuchten Tausende von Touristen die südspanische Stadt. Das einstige Fischerstädtchen erwuchs zu einer modernen Großstadt. Menschen aus aller Welt hatten ihren Wohnsitz an diesen Ort verlegt. Julia saß im Auto. Sie träumte bereits von dem schönen Torrevieja, in dem sie bis Mitte Oktober leben würde.

 

„Bist du sicher, dass du alles mitgenommen hast?“, fragte der Vater besorgt. Die vollschlanke Frau überlegte einen Moment. „Ja“, sagte sie. „Ich habe mir Notizen gemacht, was ich alles brauche. Das Wichtigste sind die Kameraausrüstung, die Kreditkarten, das Smartphone und der Laptop“, antwortete Julia gewissenhaft.

 

„Mein Kind, ich bin unglücklich darüber, dass du alleine ins Ausland gehst.“ sagte der Vater mit einem Stirnrunzeln. „Denk doch einmal daran, was dir alles passieren kann!“, fuhr der Vater fort.

 

Julia schob ihre blonde Haarsträhne etwas verunsichert aus dem Gesicht. Sie gab ihrem Vater recht, dass er sich Sorgen machte. Allerdings wollte sich die gebürtige Münchnerin nicht von ihrem Vorhaben abbringen lassen. Es war ein rein beruflicher Auslandsaufenthalt. Die Autorin erhielt eine gute Bezahlung dafür. So schob sie die beunruhigenden Gedanken beiseite.

 

„Papa, mach dir nicht so viele Sorgen. Ich kann auf mich aufpassen“, sagte Julia beschwichtigend. „Hoffen wir es!“, entgegnete der Vater und schaute nervös auf die Uhr. Es war eine silberfarbene Uhr von einem Schweizer Markenhersteller. Der Vater hatte sie bei seinem Urlaub in der Schweiz gekauft. Er liebte diese Uhr sehr. Sie erinnerte ihn an den letzten Urlaub mit seiner Frau. Mittlerweile war es zwanzig Minuten nach zehn Uhr. Der Vater und seine Tochter näherten sich dem Flughafen München.

 

Sie fuhren an der Ausfahrt zum Flughafen ab. Die Aprilsonne prallte warm auf das Auto. Ein leichter Wind war zu spüren. Die blonde Julia hatte die Fensterscheibe herunterfahren lassen. Sie wollte die frische Luft des Fahrtwindes genießen. Der Vater klappte seinen Sonnenschutz herunter und bat die bayerische Frau, dasselbe zu tun. Der ältere Herr war ein sehr bedachter und fürsorglicher Mensch. Er liebte seine Tochter über alles. Julias Mutter starb vor acht Jahren bei einem Autounfall. Die junge Frau hatte den Tod der Mutter nicht überwunden. Häufig dachte sie an die geliebte Mutter. Ein Foto von den Eltern stand in ihrer Wohnung auf dem Kamin. Sie schaute es an manchen Abenden lange und wehmütig an.

 

Die braunäugige Münchnerin und ihr Vater kamen am Flughafen an. Das Bild eines sehr belebten Flughafens bot sich den Beiden. In etwa zweieinhalb Stunden sollte das Flugzeug der jungen, hübschen Frau abfliegen. Die Beiden suchten einen Parkplatz. Julia hatte ihr Auto zu Hause gelassen. Der Verlag hatte für die Zeit in Torrevieja einen Mietwagen für sie gebucht. Der dunkelblaue Mittelklassewagen hielt an. Die Insassen stiegen aus, und der Vater holte sein schwarzes Lederportemonnaie aus der Jackentasche heraus. Danach entnahm er etwas Geld und zog ein Parkschein am Automaten. Anschließend steckte er den Parkschein und das Portemonnaie wieder in seine Jackentasche. Danach holten sie der Reisenden ihre Gepäckstücke aus dem Kofferraum des Autos und liefen zum Flughafengebäude.

 

„Papa“, sagte die Tochter, „es ist unheimlich lieb von dir, dass du mich heute an den Flughafen fährst. Ich bin so froh, dass ich die letzten Stunden mit dir verbringen kann.“ Der Vater lächelte und stieß einen leichten Seufzer aus. Er wurde daran erinnert, dass er seine Tochter für ein halbes Jahr nicht sehen würde. Julia und ihr Vater gingen zum Check–in. Die Buchung des Fluges, seitens des Verlages, erfolgte bei einer großen Fluggesellschaft. Die Autorin flog in der First–Class.

 

Sie kam sogleich an die Reihe. Der Senior hob die Koffer seiner Tochter auf das Gepäckband. Julia behielt nur ihre Kameraausrüstung, den Laptop und ihre Ledertasche bei sich. Der Herr am Check–in lächelte die Autorin freundlich an und begrüßte sie. Julia zeigte ihr Ticket vor und nahm die Bordkarte entgegen. Der Check–in–Mitarbeiter bedankte sich und wünschte ihr einen guten Flug.

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